My favorite place:

Der Camino – mein Lieblingsort!

Eines Tages auf dem Jakobsweg, beim schweißtreibenden Versuch, einen Tafelberg zu erklimmen – durstig, müde und mit schmerzenden Füßen – versucht mein kanadischer Mitpilger Jonathan mich aufzuheitern: „Wenn es Dir schwer wird und Du müde bist und nicht mehr weiterwillst, stell Dir einfach Deinen Lieblingsort vor. Your favorite place.“

Ich überlege eine Millisekunde – und weiß, ich wäre nirgendwo lieber als hier:
„Das hier ist mein Lieblingsort. Der ganze Camino.“

Es gibt kein Stück, das ich nicht mag:
Die Berge am Anfang, am Ende und zwischendrin.
Die endlosen Weizenfelder und Asphaltwege.
Kleine, in der MIttagshitze glühende spanische Straßendörfer, in denen man nur mit Glück eine Bar findet, wo jemand einem ein Käsebaguette schmiert.
All das liebe ich.

Ich liebe die schmerzenden Füße, die schimmligen Duschräume und die schnarchenden Mitpilger. Den drückenden Rucksack auf den Schultern. Den Hunger, wenn nur noch ein trockenes Stück Brot im Rucksack ist, und den herrlich vollen Magen nach einem Mahl voller Schönigkeiten: Eine Dose Muscheln, der rote Saft aufgetunkt mit frischem Baguette. Käse. Salami. Oliven. Schokolade. Die herrlich trockenen Frühstückskekse namens Marias.

Ich hasse früh aufstehen, aber hier liebe ich es. Sorgfältig den Schlafsack einrollen, den Rucksack packen, und auf in die kühle, feuchte Morgenluft. Durch schlafende Städte und Dörfer oder über stille Feldwege. Hier und da ertönt ein BUEN CAMINO. Die gelben Fenster einer früh geöffneten Bar locken in der Morgendämmerung. Café. Ein Wiedersehen, ein Gespräch oder auch keins, und weiter.

Sonnenaufgang kurz hinter Astorga

This is my favorite place.
Der Staub. Der Schmerz in den Füßen. Das Knirschen von Schritten auf den Geröllwegen. Der Duft von trockenem Holz und wilden Kräutern. Sengende Hitze. Regen. Schnee auf den Pässen. Kälte in ungeheizten Herbergen. Salamibrot essen, während man die geschundenen Füße in einem kleinen Pool kühlt. In einer Herberge kurz vor dem höchsten Pass des Weges die Kotzerei haben und zwei Tage nur Isogetränke trinken. Den Pass trotzdem schaffen.

Heulen. Lachen. Herzschmerz vor Staunen. Kühle Dorfkirchen, in denen gebeugte alte Mütterchen frische Blumen aufstellen. Singende Nonnen. Polnische Priester in Sportschuhen. Gebete. Aufbrechen. Ankommen. Und nie lebendiger sein als hier.

This is my favorite place.

2 Gedanken zu „My favorite place:

Der Camino – mein Lieblingsort!“

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