Was glücklich macht:

Die kleinen Dinge auf dem Camino

Auf dem Camino wirst Du mit jedem Schritt weicher, empfindlicher und offener. Die harte Schale fällt ab, weil die vielen Ablenkungen wegfallen, mit denen wir uns zu Hause so gekonnt in Bewegung halten.

Hier, auf dem Camino, sind wir den ganzen Tag in Bewegung.
Dafür wird es im Kopf still.

Ich merke, dass ich durch diese Offenheit und Durchlässigkeit auf dem Camino noch sensibler bin als zu Hause. Und ich bin eh schon nah am Wasser gebaut! Es kann also passieren, dass öfter mal ein Tränchen fließt. Oder auch ein ganzer Sturzbach.
Wenn es Dir so geht wie mir, kannst Du Dich aber auf dem Camino auch viel intensiver über kleine Dinge freuen – Dinge, die zu Hause, wo wir im Überfluss leben, selbstverständlich sind. Hier auf dem Camino bekommen sie große Bedeutung. Eine Tasse Tee abends in der Herberge kann ein Fest sein. Und Dein Lieblingslied aus einem offenen Fenster zu hören, treibt Dir die Tränen in die Augen. Versprochen!

Hier meine Liste der kleinen Dinge, die mich auf dem Jakobsweg erfreuen. Die darfst Du gern für Dich ganz persönlich fortsetzen. Für vieles kannst Du auch selbst sorgen und Dir so einen Glücksmoment bereiten.

Eine Tasse Tee
Nimm ein paar Beutel von Deinem Lieblingstee mit und belohne Dich nach einem langen Tag mit einer Tasse duftendem heißem Tee. Das funktioniert auch im Hochsommer und gibt sofort ein heimeliges Gefühl. Mein Favorit: Roibusch Vanille.

Ein kaltes Fußbad
Einfach eine Schüssel mit kalten Wasser füllen, Füße rein, fertig – das erfrischt und & tut gut, besonders an heißen Wandertagen. Auf der Via Podiensis betrat ich an einem heißen Tag den Garten der Herberge La Cassagnole und wurde von Mitpilgern mit einem kalten Fußbad verwöhnt. Es war herrlich. Manche mischen noch Essig oder Salz ins Wasser, die wohltuende Wirkung stellt sich aber auch mit einfachem, klarem Wasser ein.

Kalte Fußbäder lassen sich auch sehr gut in Bächen und Flüssen genießen.

Düfte
Ich bin immer ganz ergriffen, wenn es in einer Herberge nach Räucherstäbchen riecht. Denn die Düfte, die frau sonst so auf dem Jakobsweg in die Nase bekommt, sind ja tendenziell eher, ähm, rustikal. Ebenfalls beglückend: Die pfefferminz- oder mentholhaltigen Cremes, die manche Pilger nutzen, um ihre müden Knochen einzureiben. Du möchtest dieses Glück öfter haben? Nimm Dir Deinen Lieblingsduft mit. Am besten nicht die 80-EUR-Flasche von Douglas. Gut eignen sich z.B. kleine Fläschchen mit ätherischen Ölen oder die festen Parfums von LUSH.

Dein Lieblingsessen als Camino-Version
Der Tag war Scheiße, in der Herberge sind nur blöde Mitpilger und überhaupt hast Du gerade einen Bad-Feet-Day? Dann brauchst Du heute was Vertrautes. Versuch, Dir eine Camino-Version von Deinem Lieblingsessen zu basteln. Ich esse unheimlich gern Obstquark. Quark gibt es in Spanien nicht, Joghurt aber schon. Einzelne Früchte sind gut zu kriegen. Eine ganzes Glas Honig zum Süßen wollte ich nicht kaufen. Aber ich hatte noch eine zerknautschte Tafel Schokolade. Und so: Saß ich eines Abends in O’Cebreiro allein und beseelt vor meiner gelben Plastikschüssel mit Yoghurt, einer Orange, einem Apfel und selbstgemachten Schokoraspeln!

Fußmassagen
Die Füße spielen bei Deiner Pilgerschaft auf dem Camino eine wahrhaft tragende Rolle. Es gibt kaum einen Pilger, der nicht morgens und/oder abends das Ritual pflegt, die Füße ausgiebig einzureiben – zB  mit Hirschtalg, um Blasen vorzubeugen. Nutze dieses Ritual, um Deinen Füßen etwas Gutes zu tun, und gönne ihnen ein paar feste Massagegriffe. Das hilft ihnen, sich zu entspannen. Autsch? Ein bisschen wohltuender Schmerz gehört dazu. (Was natürlich nicht heißt, dass Du alles aushalten musst. Wenn Dir etwas komisch vorkommt, geh zum Arzt.)

Frisch gewaschene Klamotten
Nach ein paar Tagen auf dem Camino hast Du offiziell die Welt der sauberen Klamotten verlassen und bist im Pilgeruniversum angekommen. Fröhlich wuchernde Bärte, staubige Schuhe, fleckige Kleidung und unfrisiertes Haupthaar gehören jetzt zu Deinem Alltag. Und das ist ok, denn es geht allen so. Aber irgendwann geht es Dir auch auf die Nerven. Was für ein herrlicher Luxus frisch gewaschene Klamotten sind, wird Dir erst klar, wenn Du 2000 km von Deiner eigenen Bad entfernt in einer Herberge stehst – und von einer japanischen Mitpilgerin gefragt wirst, ob Du Dir mit ihr eine Waschmaschine teilen willst. Ich denke, Du sagst ja.

Kostbarkeit: Frisch gewaschene Klamotten.

Musik
Spätestens bei der singenden Nonne in der Kathedrale von Santiago fängt jeder an zu heulen. Musik berührt auf dem Camino noch mehr als sonst. Klassische Musik tut gut. Aber auch bei den ganz normalen Songs, die zu Hause so selbstverständlich aus Radio oder Macbook tönen, wird mir auf dem Camino warm ums Herz. Einmal, schon in Santiago angekommen, hörte ich aus dem offenen Fenster eines schmalen Hauses „Lovely head“ von Goldfrapp – und war verzaubert. Vielleicht ist es das Stück Vertrautheit, das daran so gut tut – hier, wo Du mit jedem Schritt Neuland betrittst.

Es gibt für mich  noch unendlich viel mehr kleine Freuden auf dem Camino:

Essen, wenn Du richtig Hunger hast | frisches Baguette | selbst gepflückte Brombeeren | kleine, hilfsbereite Gesten von Fremden | Schnecken zusehen | der Duft von trockenem Holz in der Sonne | Eiswürfel im Wassersackdickflüssige heiße Schokolade (unbedingt Chocolate Caliente bestellen, nicht Cola Cao!!!) |  Blümchen | BienchenDie klare Luft am frühen Morgen | Café con Leche  | Tiere streicheln | Tagebuch schreiben | neue Freunde finden…

Ich könnte ewig so weitermachen!

Mach ich aber nicht. Denn für Dich soll ja auch noch was übrig bleiben. Erlebe Dein eigenes Zeugs und finde Deine eigenen Glücksmomente. Das passiert auf dem Camino sowieso – aber Du kannst ja vorsichtshalber auch zu Hause mal Augen und Ohren aufhalten.

 

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